Schulsozialarbeit nicht mehr wegzudenken

22. Februar 2010
Im Sommer läuft der Versuch mit der Schulsozialarbeit aus. Das Angebot soll an der Gossauer Volksschule definitiv eingeführt werden, beantragt der Stadtrat dem Parlament.
Ende 2006 hat das Stadtparlament einem dreijährigen Versuch mit Sozialarbeit an den städtischen Schulen zugestimmt. Dafür hat es insgesamt fünf Vollstellen für Jugend- und Sozialarbeit gutgeheissen und die finanziellen Mittel jeweils mit den Budgets bereitgestellt. Diesen Sommer endet die dreijährige Pilotphase. Bewilligte Stellen voll ausschöpfen
Der Stadtrat will das Angebot nun definitiv einführen. Das Pensum von total fünf Stellen bleibt unverändert. Allerdings soll ab Sommer 2010 die Schulsozialarbeit noch mehr Gewicht erhalten. Deshalb sollen die bewilligten Stellen voll besetzt werden. Denn bisher waren nur 4.3 Stellen ausgeschöpft. R. Samuel Wey, Leiter Soziales, begründet dies mit einem geringeren Bedarf in der Aufbauphase. Zudem habe er Entlassungen vermeiden wollen, falls die Schulsozialarbeit nach der Pilotphase eingestellt wird. In der Versuchsphase verlagerten sich auch die Gewichte zwischen den Arbeitsfeldern. Die Schulsozialarbeit reduzierte bald einmal den Beratungsbedarf in der Jugendarbeit. „Vor 2006 betrafen ungefähr drei von vier Fällen der Jugendarbeit Jugendliche im Schulalter“, führt Wey aus. Deshalb wurden der Schulsozialarbeit rund zwei Vollstellen zugestanden und der Bestand in der Jugendarbeit zurückgefahren. Zu störungsfreier Schule beigetragen
Das Beratungsangebot zeigt auch Wirkung. Dies zumindest deuten die Rückmeldungen von Lehrpersonen, Schuljugend und Eltern an. Die Lehrpersonen sind dankbar, dass die Schulsozialarbeit wesentlich zu einem möglichst störungsfreien Schulbetrieb beiträgt. Der Bildungsauftrag der Schule ist zunehmend mit Erziehungsaufträgen ergänzt worden. Lehrpersonen sind aber in erster Linie Bildungsfachleute. In den Erziehungsaufgaben erhalten sie nun Unterstützung durch die Schulsozialarbeit. Für sie ist die Schulsozialarbeit nicht mehr wegzudenken. Für Schülerinnen und Schüler sind Probleme zu Hause oder schulische Schwierigkeiten massgebliche Auslöser für einen Kontakt mit den Fachleuten. Die Befragung der Jugendlichen hat auch gezeigt, dass in Gossau grossmehrheitlich gute Eltern-Kind-Beziehungen bestehen. Vielleicht suchen deshalb nur wenige Eltern den Rat der Schulsozialarbeit. Mehr als ein Viertel der Eltern glauben aber, dass ihr Kind von Präventionsprojekten der Schulsozialarbeit profitieren konnte. Noch mehr Gewicht auf Schulbereich
Der Stadtrat weist im Antrag an das Parlament auch auf Schwachstellen hin. Eine ist der „fliegende“ Einsatz der Schulsozialarbeiter. Bei der definitiven Einführung sollen sie in möglichst allen Schulhäusern eigene bedürfnisgerechte Einrichtungen erhalten. Wenn das Parlament die Schulsozialarbeit definitiv gutheisst, sollen die fünf Vollstellen auch besetzt werden. Damit sollen vermehrt Eltern in ihren Erziehungsaufgaben unterstützt werden, erklärt R. Samuel Wey. Schulsozialarbeit könne Jugendliche mit Problemen sehr früh abholen. Ob deshalb aber weniger kostspielige Heimplatzierungen nötig werden, lasse sich nicht belegen. „Wo solche erforderlich sind, sind oft auch die Eltern mit ihrer Erziehungsaufgabe überfordert“, argumentiert Wey für die Elternarbeit.